Barmbek-Nord 38 – Wohnungsbau wie in der Gründerzeit?

(cc-by-sa, Leander Wattig)

Im Areal zwischen Osterbekkanal, Hufnerstraße, Wiesendamm und Witthof befindet sich die ehemalige Firmenzentrale der Block-Gruppe. Da diese ihre Zentrale nicht mehr benötigt – sie wird momentan übergangsweise als Unterkunft für Geflüchtete genutzt – soll sie nach ihrem Wunsch abgerissen und das momentan als Misch-/Kerngebiet ausgewiesene Gelände für Wohnungsbau neu genutzt werden. Hier läuft gerade das entsprechende Bebauungsplanverfahren Barmbek-Nord 38.

Die Planung liest sich für die AnwohnerInnen in der Umgebung erschreckend, weswegen sich im Verfahren durchgängig mehrere Dutzend aus der Umgebung beteiligen und ihre berechtigten Interessen vertreten. So soll nach dem Wunsch des Vorhabenträgers wenige Meter südlich der zweigeschossigen Gebäude am Wiesendamm ein fünfgeschossiges Gebäude entstehen. Dies hätte zur Folge, dass die Bestandsgebäude mitsamt ihrer Außenflächen inklusive einer Spielfläche für Kinder vor allem mittags kaum noch Sonne sehen würden. Absehbar ist, dass dadurch die Wohnqualität deutlich leidet und die Spielflächen kaum adäquat nutzbar bleiben. Auch die Bestandsgebäude im Westen des Plangeländes und deren Außen- und Kinderspielflächen werden durch die Verschattung in Mitleidenschaft gezogen.

Natürlich brauchen wir in Hamburg Wohnungen, das bestreitet niemand. Doch rechtfertigt dies, dass Investoren nun jedes Gelände im Sinne der Nachverdichtung exzessiv bebauen? Der rot-grüne Senat hat die Forderungen nach neuen Wohnungen in Richtung Bezirke mit 10.000 Wohnungen jährlich erneut in die Höhe geschraubt, weswegen auch in Hamburg-Nord SPD und GRÜNE in der Pflicht zu sein scheinen, alle Wünsche der Bauherren zu erfüllen. Und natürlich rechnet es sich für die Besitzer entsprechend nutzbarer Grundstücke. So ist auch an der Hufnerstraße das übliche (und zu niedrig angesetzte) geforderte Drittel an sozialem Wohnraum für einen Bauherren verkraftbar, wenn direkt am Osterbekkanal teure Eigentumswohnungen entstehen.

Diejenigen Menschen, die nun das Pech haben, ausgerechnet neben zur Nachverdichtung geeigneter Flächen zu wohnen, müssen sich warm anziehen. Oftmals wird argumentiert, wenn die DIN-Norm 5034-1 bezüglich einer Stunde Besonnung am 17. Januar wieder einmal nicht erfüllt wird, dass das in einer Großstadt nicht anders zu erwarten sei. Und dass gerade Gründerzeitquartiere ähnlich dicht bebaut und diese heute nicht gerade als Orte mit einer niedrigen Wohnqualität in Verruf seien. Doch gibt es nicht nur positive Stimmen zu entsprechenden Quartieren. So bestätigen auch ehemalige Oberbaudirektoren die Bezeichnung ‘Mietskasernen’.

Von daher stellt sich die Frage, ob die Flächennot so groß ist, dass wir wieder zu ‘Mietskasernen’ beziehungsweise einer entsprechend hohen Dichte bei der Bebauung zurück müssen. Wir glauben daran, dass noch lange keine Not besteht, derart dichte Bebauungen nachzuahmen und plädieren bei jedweder Bebauung nicht nur die Interessen der neu Hinzuziehenden zu berücksichtigen, sondern auch die der AnwohnerInnen um die jeweiligen Plangebiete. An der Hufnerstraße böte es sich an, die Innenhofbebauung so weit zu reduzieren, dass die Wohnqualität für die Menschen am Wiesendamm und am Witthof erhalten bleibt und die Außenflächen inklusive der Kinderspielflächen noch adäquat genutzt werden können.

Ebenfalls kritisch ist aus unserer Sicht, dass der Vorhabenträger hier anscheinend ohne neue Spielflächen für Kinder plant. Aus unserer Sicht sollte der vollversiegelte Innenhof teilweise begrünt und mit Spielgeräten für Kinder hergerichtet werden. Auch enthalten trotz des hohen Parkdrucks des Quartiers die Tiefgaragen nur Stellplätze mit einem Schlüssel von 0,5 – also umgerechnet einem Platz für zwei Wohneinheiten. Wir meinen: Wenn schon nicht mehr Plätze in den Tiefgaragen hergerichtet werden können, so sollte ein Teil davon wenigstens für stationsbasiertes Carsharing genutzt werden. Nur mit Förderungen von alternativen Beförderungsmöglichkeiten lassen sich auch Menschen motivieren ihr eigenes Auto abzuschaffen.

Das Verfahren befindet sich noch vor der öffentlichen Auslegung. Hier können alle BürgerInnen noch einmal schriftlich ihre Einwendungen gegen den Bebauungsplan-Entwurf äußern. Wir stehen hier gerne für Auskünfte zur Verfügung.


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